Die Seele der Dinge

Written by ideemotion
Warum die Seele der Dinge zählt.
In diesen Wochen, wenn das Licht früher schwindet und in meiner Heimat in den Fenstern langsam wieder Bögen und Sterne erscheinen, spüre ich jedes Jahr denselben Zwiespalt:
Zwischen der Fülle, die uns umgibt, und der Sehnsucht nach Stille, nach Echtheit, nach Dingen, die uns wirklich berühren.
Ich komme aus der Architektur, geprägt vom Bauhaus: Reduktion, Funktion, Klarheit.
Und doch führt mich meine Arbeit immer wieder dorthin zurück, wo Gestaltung mehr ist als Form – dorthin, wo sie Sinn hat.
Ins Erzgebirge.
Das Erzgbirge.
Dort, wo Holz noch nach Harz riecht, wo Handarbeit kein nostalgisches Etikett ist, sondern Lebenshaltung.
Dort, wo einfache Dinge über Generationen eine Sprache gefunden haben, die leise und zugleich unvergänglich ist.
Oskar Seyffert.
Oskar Seyffert, der sächsische Volkskundler, schrieb um 1900, dass die Volkskunst „die Kunst des kleinen Mannes ist, der nicht für den Prunk, sondern für den Gebrauch seiner Umwelt schafft.“
Sinn + Substanz + Stil = Seele.
Er meinte: Die wahre Schönheit liegt in der Nähe zum Leben.
Sie entsteht, wenn Form und Herz dasselbe meinen.
Und da haben wir wieder die Gleichung:
Sinn + Substanz + Stil = Seele
Und vielleicht würde Seyffert uns heute schreiben:
„Kauft weniger, aber bedeutender.
Wählt nicht das Lauteste, sondern das Wahrhaftige.
Denn Dinge, die keine Seele haben, können euch auch keine schenken.“
Ich glaube, darin liegt eine tiefe Aktualität.
Unsere Umgebung formt uns.
Was wir in unsere Häuser holen, spricht zu uns – oder eben nicht.
Ein handgedrechselter Nussknacker, ein Herrnhuter Stern, eine Lauschaer Kugel, ein handgeschnitzter Engel – sie erzählen von Wurzeln, von Geduld, von einem Gestaltungswillen, der aus der Stille kommt.
Sie verbinden Herkunft und Gegenwart, Einfachheit und Bedeutung.
In einer Welt, die alles bieten kann, bleibt das Entscheidende, bewusst zu wählen.
Nicht alles, was glitzert, leuchtet von innen.
Aber vieles, das schlicht ist, trägt Licht in sich – und in uns.
Welche Frequenz holt man sich ins Haus mit Massenware von Temu und Action? Reiz oder Resonanz?
Vielleicht ist das die eigentliche Aufgabe von Gestaltung heute:
Nicht immer Neues zu erfinden, sondern das Wahre im Bestehenden wieder sichtbar zu machen.
Call to thought:
Welche Geschichte erzählt deine Deko über dich?
Kathleen
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